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100 Millionen Euro entgangene Steuereinnahmen pro Jahr durch illegalen Welpenhandel – PETA: „Minister Scholz und Klöckner müssen skrupelloses Geschäft endlich unterbinden“

Verantwortliche aus dem Welpenhandel bei Finanzbehörden gemeldet

Stuttgart, 7. Juli 2021 – Ausufernder illegaler Welpenhandel schädigt Fiskus in erheblichem Ausmaß: PETA hat die Hundewelpen-Angebote auf fünf großen Online-Anzeigenplattformen von Januar bis Juni ausgewertet: Der steuerliche Schaden dürfte hochgerechnet auf das Gesamtjahr 2021 mindestens 100.826 Millionen Euro betragen. Die meisten Personen aus der Branche geben ihr Geschäft auf Plattformen als privat an, auch wenn sie vom Umfang ihrer Geschäfte die Kriterien eines Gewerbebetriebs erfüllen. Damit umgehen sie oft nicht nur die Steuer, sondern auch Impressums- und Gewährleistungspflichten. Die berechnete Summe ist nach Auffassung der Tierrechtsorganisation lediglich die Spitze des Eisbergs: Denn es gibt zahlreiche weitere Plattformen, und neben Hunden werden auch massenhaft Katzen, Vögel, Kleinsäuger und teilweise exotische Tiere gehandelt. PETA forderte Bundesfinanzminister Olaf Scholz und Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner in einem Schreiben auf, den Handel mit Tieren auf Online-Plattformen zu verbieten.

„Der Welpenhandel ist nach dem Drogen- und Waffenhandel das drittgrößte illegale Geschäft. Die Zeche dafür zahlen die Tiere und die Bevölkerung. Denn die Verantwortlichen züchten massenhaft Hunde unter qualvollen Bedingungen und bringen die oft kranken Tierkinder in Umlauf – und sämtliche Steuerzahlenden finanzieren das skrupellose Geschäft ungewollt mit, weil die Erträge oft nicht versteuert werden“, so Peter Höffken, Fachreferent bei PETA. „Einige Banden bieten Tiere unter verschiedenen Identitäten und Standortangaben auf mehreren Plattformen an, um ihre Machenschaften zu verschleiern. Wir appellieren an alle Menschen, niemals ein Tier im Internet zu kaufen, sondern stattdessen einen tierischen Mitbewohner aus dem Tierheim zu adoptieren.“

PETA hat exemplarisch vier als privat gekennzeichnete Anbietende, die jedoch in gewerblichen Umfang Tiere inserieren, bei den Finanzbehörden Stuttgart I, Leipzig II, Pirmasens und Uelzen-Lüchow zur Überprüfung gemeldet. Eine Hundezucht im Sinne der Tierschutz-Hundeverordnung und der Ausführungsverordnung zum Tierschutzgesetz gilt als gewerbsmäßig, wenn ein Züchter oder eine Züchterin drei oder mehr fortpflanzungsfähige Hündinnen hält. Bei weniger Hündinnen liegt eine Gewerbsmäßigkeit vor, wenn pro Jahr drei Mal Welpen zur Welt kommen werden. Auch bei einer geringeren Tieranzahl ist gewerbsmäßiges Handeln im Sinne des Tierschutzgesetzes gegeben, wenn eine Tätigkeit selbständig, planmäßig, fortgesetzt und mit Absicht der Gewinnerzielung ausgeübt wird.

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Nach PETAs Recherche wurden in den ersten sechs Monaten 2021 insgesamt 155.596 neue Welpen-Angebote auf den fünf untersuchten Plattformen eingestellt. Hochgerechnet auf das gesamte Jahr dürfte ein Gesamtverkaufserlös von 933.576 Millionen Euro erzielt werden. Um die entgangenen Steuereinnahmen zu berechnen, legte die Organisation moderate Werte zugrunde, beispielsweise einen Verkaufspreis von durchschnittlich 1.500 Euro pro Tier, zwei Welpen pro Anzeige und einen durchschnittlichen Steuersatz von 20 Prozent. Hunde aus dem Tierschutz sowie als gewerblich gekennzeichnete Angebote wurden außen vor gelassen, ebenso ein großer Teil der privaten Anbietenden, die nicht als gewerblich gelten. Es flossen auch die auf deutsche Plattformen bezogenen Ergebnisse eines EU-Monitorings 2018/2019 ein. [1]

Der Handel mit Jungtieren im Internet boomt und durch Corona ist die Nachfrage weiter gestiegen. Über Onlineportale werden Tiere oft mit gefälschten Heimtierausweisen verkauft. Häufig kommen Hundekinder aus Osteuropa, wo die Muttertiere als „Gebärmaschinen“ missbraucht werden. Teilweise sind sie gezwungen, ohne Tageslicht in engen Käfigen in ihren eigenen Fäkalien zu sitzen, viele von ihnen von schmerzhaften Hautkrankheiten geplagt. Sind sie für die Zuchtbranche nicht mehr „produktiv“ genug oder zu alt, werden sie in der Regel getötet oder ausgesetzt. Ihre im Internet angebotenen Kinder sind oftmals krank, verwurmt, ohne Impfschutz und voller Parasiten. Die langen Transporte nach Deutschland schwächen die Welpen zusätzlich.

PETAs Motto lautet in Teilen: Tiere sind nicht dazu da, dass sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Weltanschauung, die den Menschen als allen anderen Lebewesen überlegen einstuft.

[1] Bundestag (2020): Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Renate Künast, Harald Ebner, Oliver Krischer, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Drucksache 19/18974 –. Illegaler Handel mit Heimtieren. Online abrufbar unter: https://dserver.bundestag.de/btd/19/193/1919390.pdf. (06.07.2021).

Weitere Informationen:

PETA.de/Themen/Illegaler-Welpenhandel-Steuereinnahmen
PETA.de/Themen/Welpenhandel-Internet

PETA.de/Schlagwort/Welpen

Pressekontakt:

Valeria Goller, +49 711 860591-521, ValeriaG@peta.de

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