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Kooperation statt Konkurrenz – KI in Unternehmen


Künstliche Intelligenz kann auch in kleinen Unternehmen gewinnbringend eingesetzt werden – Tandem-Reihe widmet sich dem Zusammenspiel von Mensch und Maschine

Computer, die Menschen beim Schach besiegen oder Chatprogramme, die sich wie ein menschlicher Gesprächspartner verhalten – schon seit den 1950er Jahren beschäftigt sich die Wissenschaft mit Künstlicher Intelligenz (KI) und versucht intelligente, von Menschen getroffene Entscheidungen nachzuahmen. Mit wachsendem Erfolg und immer mehr Anwendungen – KI ist im Smartphone, in Rechtschreibprogrammen oder in der Wohnzimmereinrichtung. Mit der steigenden Verbreitung wachsen aber auch Fragen und Zweifel: Lässt sich KI sinnvoll gleichermaßen in großen und kleinen Unternehmen einsetzen? Ersetzt KI irgendwann qualifizierte Mitarbeiter? Wo besteht Konfliktpotenzial zwischen Mensch und vermeintlich intelligenter Maschine? Diesen Fragen ging die jüngste Ausgabe der Tandemreihe-Reihe Wissenschaft & Praxis nach, die unter dem Motto „Kooperation statt Konkurrenz – Künstliche Intelligenz in Unternehmen“ Forschung und Praxis diskutieren ließ. Dabei wurde in der Online-Veranstaltung deutlich: Auch kleine Schritte in Richtung KI können für Unternehmen von großem Nutzen sein.

Prof. Dr. Ute Schmid hat an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg die Professur für Angewandte Informatik, insbesondere Kognitive Systeme, inne und beschäftigt sich vor allem mit Systemen der Künstlichen Intelligenz, die auf kognitiven Prinzipien basieren. Außerdem entwickelt sie Modelle, die eine partnerschaftliche Interaktion von Mensch und Computer ermöglichen. Anwendung finden solche Systeme in vielen Bereichen: in der Medizin bei der Diagnose, in der Produktion im Rahmen der Qualitätsprüfung oder im Marketing und im Kundenkontakt. „KI ist grundsätzlich nichts Neues, wurde aber lange als ‚Schmuddelkind‘ der Informatik betrachtet“, sagt Schmid. Mit Deep Learning-Ansätzen sei das Thema in den letzten Jahren wieder deutlich populärer geworden. „KI setzt man in Unternehmen vor allem dann ein, wenn Standardalgorithmen nicht greifen. Allerdings gibt man damit gleichzeitig Eigenschaften wie Vollständigkeit und Korrektheit auf“, so Schmid. Im Online-Marketing sei das weniger problematisch, in der industriellen Produktion möglicherweise schon.

Daher sei es besonders wichtig, dass Mensch und KI eine Partnerschaft eingingen. Prof. Schmid: „Eine wesentliche Anforderung an Systeme des Maschinellen Lernens ist, dass Entscheidungen nachvollziehbar und vertrauenswürdig sind.“ Der Anwender müsse verstehen können, warum das System eine bestimmte Entscheidung treffe. Und er müsse diese gegebenenfalls auch korrigieren können. „Denn Gelerntes ist nie korrekt. Es gibt kein bias-freies Lernen.“ Das Kooperative Lernen, also die gemeinsame Entscheidung von Mensch und KI, sei daher wichtig. Es erlaube Feedback und schütze so vor Kompetenzverlust.

Dies bestätigte mit Matthias Hofmann, IT-Leiter bei der ONTEC Automation GmbH, ein Praxispartner. ONTEC setzt KI im Rahmen der Qualitätskontrolle bei Anlagen bereits erfolgreich ein und arbeitet aktuell gemeinsam mit der Universität Bamberg daran, die geforderte Nachvollziehbarkeit zu verbessern. „Lernen in beide Richtungen, also von Mensch zu Maschine und umgekehrt, ist ganz wichtig, um insgesamt gute Ergebnisse zu erreichen.“ Bei der Frage nach praktischen Tipps für andere Unternehmen, die einen Einstieg in KI erwägen, gibt Hofmann klare Hinweise. Man dürfe nicht mit übertriebenen Erwartungen an das Thema herangehen. Und: „Zunächst sollte man sich auf einen Anwendungsfall konzentrieren, Zeit mitbringen und vor allem gut im Team, auch interdisziplinär, zusammenarbeiten.“ Trotz der neuen Anforderungen, die der Einsatz von KI mit sich bringt, sieht der IT-Leiter keine Gefahr für klassische Ausbildungsberufe. „KI wird keinen qualifizierten Feinwerkmechaniker ersetzen.“ Natürlich aber sollte man grundsätzlich offenbleiben und sich weiterbilden.

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Offen zu sein und sich weiterzubilden gelte auch für die Verantwortlichen in den Unternehmen selbst, wenn sie in die Welt der KI eintauchen möchten. „Wir haben eine Weile im learning by doing agiert, sind dann aber an den Punkt gekommen, an dem wir uns Unterstützung gewünscht haben.“ Matthias Hofmann: „Kontakt aufnehmen und Fragen stellen ist der erste und einfache Schritt. Die Unis und Hochschulen sind nicht der Elfenbeinturm, für den sie landläufig gehalten werden. Wir haben gute Erfahrungen gemacht.“

Der Einstieg in die KI kann auch in kleinen Schritten erfolgen, die bereits großen Nutzen stiften. Daniel Alt, Geschäftsführer von IDA (Institut für Innovation und Digitalisierung), ist Experte für digitale Geschäftsmodelle und bietet als Ankerprodukt die Implementation von Chatbots an. „Mit einem Chatbot kommt man schnell ins Rollen und der Aufwand ist zunächst überschaubar“, sagt Daniel Alt. Gerade in kleinen Unternehmen, etwa im Handwerk, sieht er großes Entlastungspotenzial für Unternehmer. „Bei vielen Standardanfragen von Kunden in Bezug auf Termine oder Serviceanfragen kann ein ‚künstlich intelligenter‘ Bot viele Aufgaben abnehmen und mehr Raum für die Kernaufgaben des Betriebs schaffen.“ Dass das gut funktioniert hat Daniel Alt bereits bewiesen. Bei dem Bamberger Bestattungsunternehmen Schunder bietet ein von IDA entwickelter Chatbot ein niederschwelliges Kontaktangebot. „Der Nutzen beschränkt sich aber nicht nur auf den reinen Kundenkontakt“, so Alt. Schließlich ließen sich die Anfragen an den Bot auch auswerten und so neue Chancen aufdecken: Welche Informationen werden häufig nachgefragt? Welche Produkte sind besonders interessant? Wo gibt es Verbesserungspotenzial beim Service? Wo besteht Schulungsbedarf bei den Mitarbeitern?

Am Ende waren sich die Experten aus Praxis und Wissenschaft einig: Künstliche Intelligenz bietet auch für KMU große Potenziale und der Einstieg ist häufig einfacher als gedacht. Wichtig sei, Kontakt zu Experten aufzunehmen und nachzufragen. Das bestätigt auch Ute Schmid: „Es kann für die Wissenschaft überaus spannend sein, mit Problemen aus der praktischen Anwendung konfrontiert zu werden. Die komplexen Anforderungen aus der Praxis zeigen, ob die entwickelten Methoden tatsächlich einsetzbar sind und geben oft wichtige Impulse für weitere Forschung.“ Beim Einstieg in das Thema KI stehen auch die Berater der Kammern helfend zur Seite. Bei der IHK ist das Ralph Buus, KI-Lotse, und bei der HWK Dieter Opel, Berater für Innovation und Technik.

Info:

Die Tandemreihe ist eine Gemeinschaftsinitiative der Otto-Friedrich-Universität Bamberg, der IHK für Oberfranken Bayreuth und der Handwerkskammer für Oberfranken und bringt Wissenschaft und Wirtschaft zusammen. Ziel ist es, den Austausch untereinander zu fördern und den beidseitigen Transfer von Wissen anzuregen.

Informationen zu der Veranstaltungsreihe finden Sie unter: www.uni-bamberg.de/transfer/veranstaltungen/tandem

Weitere Informationen für Medienvertreterinnen und -vertreter:

Medienkontakt der Universität Bamberg:
Tanja Eisenach
Pressereferentin/Leitung Pressestelle
Tel.: 0951/863-1023
presse(at)uni-bamberg.de

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