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Stadtmuseum gibt Buch von Johannes Friedrich Gmelin an Diözese St. Pölten zurück

Das Stadtmuseum hat das Buch „Abhandlung von den giftigen Gewächsen“ (1775) von Johannes Friedrich Gmelin an die Diözese St. Pölten in Österreich restituiert. Das Buch war über Umwege nach Tübingen gekommen, wo es als unrechtmäßiger Besitz in die antiquarische Sammlung Eingang gefunden hatte. „Es liegen eindeutige Hinweise vor, die das Buch mit der Diözese St. Pölten verbinden und es bis ins späte 19. Jahrhundert als deren Besitz ausweisen“, sagt Aileen Becker, Provenienzforscherin am Stadtmuseum. „Veräußerungen aus der Diözese gab es nicht, insofern besteht der Verdacht auf Raubgut. Deshalb waren wir verpflichtet, es zurückzugeben.“

Im Rahmen der Provenienzforschung am Stadtmuseum prüften Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Herkunftsgeschichte des 228-seitigen Buches, um herauszufinden, ob es sich um NS-Raub- oder Beutekunst handelt. Dabei stellte sich heraus, dass das Tübinger Bürgermeisteramt das Buch bereits 1964 von der Buchhandlung Hugo Frick erworben hatte. Weitere Vorbesitzer waren aus den Akten zunächst nicht bekannt. Den entscheidenden Hinweis lieferte ein Etikett auf der Innenseite des Buchdeckels: Es handelt sich um ein Exlibris der „Ex Bibliotheca Seminarii episcopalis ad S. Hippolitum“ mit dem handschriftlichen Zusatz „XI 5“. Damit ist die Bibliothek eines bischöflichen Seminars des heiligen Hippolyt gemeint, eines römischen Bischofs aus dem dritten Jahrhundert und Namenspatron der Stadt St. Pölten in Österreich.

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Die Diözese St. Pölten hat eine antiquarische Bibliothek mit Büchern, die das gleiche oder ähnliche Exlibris tragen. Die dortigen Bibliothekmitarbeitenden und der Archivar recherchierten in ihren Inventarkatalogen nach dem Titel und fanden ihn gleich mehrfach. Einer der Einträge enthält sogar den Zusatz „XI 5“, was eindeutig auf das genannte Exemplar verweist. Ein später notiertes Fragezeichen hinter dem Eintrag im Inventarbuch könnte den Verlust am Standort markieren. Wie das Buch aus dem Bestand entwendet wurde, ist unbekannt.

Die Diözese St. Pölten reagierte überrascht und glücklich auf den Fund: „Wir freuen uns, das Buch wieder in unsere antiquarische Bibliothek aufnehmen zu dürfen“, sagt Karl Kollermann vom Diözesanarchiv St. Pölten.

www.tuebingen.de/provenienzforschung

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